Braudels Kriegsvorlesungen

Mit großen Erwartungen habe ich mir die gerade erschienenen Kriegsvorlesungen Braudels über Geschichte und Geschichtsschreibung bestellt, lautet doch der Titel der Zusammenstellung „Geschichte als Schlüssel zur Welt“. Das verspricht viel, insbesondere, dass daraus eine Zusammenstellung für den Oberstufenunterricht destillieren lässt, um die Schüler etwas zu motivieren. Captatio benevolentiae des Leistungskurses, sozusagen. Ob das erreicht wurde, weiß ich noch nicht. Der Text steht jedoch und ich werde ihn einsetzen. Er lässt auf jeden Fall Braudels Konzept zumindest ansatzweise erkennen und gibt durchaus auch eine Antwort auf die Frage, wieso Geschichte als Schlüssel zur Welt (oder eher: der Welt) begriffen werden soll. Dabei legt sich Braudel bereits im ersten Satz fest: „Mein Anspruch ist es, Ihnen die Gegenwart zu erklären…“ Dies zeigt das Selbstbewusstsein der Annales-Schule, wozu eine alle Sozialwissenschaften umfassende Geschichtswissenschaft in der Lage sei. Im Folgenden spricht Braudel darüber, was ein historisches Ereignis bzw. eine Tatsache sei, nämlich jene, die man nachträglich erst zu einer solchen erklärt. Er zweifelt die Rolle des Zufalls in der Geschichte einigermaßen an und bricht Lanze für eine Geschichtsbetrachtung, die das Schicksal von Gruppen und Kollektiven untersucht. Schließlich spricht er davon, dass die/eine neue Geschichtswissenschaft nur existieren könne, wenn sie sich die Ergebnisse der Nachbarwissenschaften (Geographie, Soziologie, Statistik usw.) aneignet und somit zu einer echten Sozialgeschichte wird.

Auf den Titel wird sodann im folgenden Absatz Bezug genommen: „Das große Verdienst einiger französischer Historiker war es dieses Ganze wiederherzustellen, überflüssige Trennwände wegzureißen und die Geschichtswissenschaft wieder zu einem der wesentlichen Maßstäbe der Welt zu machen. Gewiss, nicht alles auf dieser Welt kann man mit Hilfe der Geschichtswissenschaft verstehen, also im Blick auf das Vergangene, aber die Waage der Geschichte hat eine unbestrittene Bedeutung. Mit ihr können wir die großen Tatsachen in angemessene Zusammenhänge rücken. Die Geschichte bietet zweifellos eine der wichtigsten Erklärungen der Welt und des Lebens.“

Ich bin neugierig, was meine Schüler mit dem Text anfangen werden. Braudels Text und Stil ist eigentlich angenehm lesbar, schnörkellos, verständlich. Für einen Historiker bietet er freilich nicht viel Neues, denn das alles ist ja schon lange bekannt. Wer jedoch einen kurzen Einblick in Braudels Denkweise bekommen möchte, dem sei das Buch, das natürlich viel mehr enthält als es hier vorgestellt wurde, empfohlen.

 

(Zitat aus: Fernand Braudel: Geschichte als Schlüssel zur Welt: Vorlesungen in deutscher
Kriegsgefangenschaft 1941. Stuttgart 2013, S. 48f.).

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Wieso „zachor“?

„Zachor“ kommt aus dem Hebräischen und bedeutet soviel wie „Erinnerung“ bzw. eigentlich „Erinnere dich!“ Der Begriff ist also eine Aufforderung, Vergangenes nicht vergangen sein zu lassen und zu vergessen. Das Gewesene ist und soll immer (noch) da sein, indem wir es aus dem Gedächtnis herholen. Wenn und indem wir Vergangenes nicht spurlos vergehen lassen, kann es uns als Stütze, als Erinnerung, als Mahnung dienen. Es ist da, es wirkt auf uns und es beeinflusst uns. Es ist und bleibt Teil von uns.

Deshalb der Name „zachor“. Obwohl mich mit dem Judentum und dem Hebräischen sonst nichts verbindet (außer einem reinen historischen Interesse), finde ich, dass dies ein schöner Begriff ist. Er ist passend, weil es mir in meinem Blog darum geht, Geschehenes festzuhalten und es der Versenkung zu entreißen. Dem Begriff bin ich zuerst begegnet, als ich das schmale Bändchen von Josef Yerushalmi gelesen habe, welches den Titel „Zachor!“ trug und sich mit der Rolle und Bedeutung der Erinnerung im Judentum befasste.

In der Bedeutung, in der ich das Wort in diesem Blog verstehe, geht es freilich allgemein darum, Kleinigkeiten, die mir erinnernswert erscheinen, aufzuschreiben und festzuhalten. Sie sind und werden bestimmt nicht immer außerordentlich bedeutungsvoll und bedeutungsschwer sein. Aber darum geht es mir gar nicht. Ich möchte stattdessen, da es mir Spaß macht, Lustiges und Komisches, aber auch Komisches und Ungewöhnliches fixieren. Über das in der Schule Erlebte schreiben, das Gelesene kommentieren, zusammenfassen, empfehlen. Sollte es irgendwen geben, den das mal interessieren sollte  – schön. Wenn nicht – auch nicht schlimm, aber ich bin dann wenigstens meinen Schreibdrang losgeworden…

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Bla, bla

1. Versuch.

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